Die Glasfenster von Marc Chagall

 

1974 führt Marc Chagall (1887-1985) in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Jacques Simon drei Glasfenster aus, die für die Achskapelle der Kathedrale bestimmt sind.


Die Realisierung dieser Glasfenster, die durch das Mäzenatentum des Comité des bâtisseurs der Region Champagne-Ardenne und eine von der Gesellschaft der Freunde der Kathedrale von Reims durchgeführte Spendenaktion finanziert wurde, erstreckt sich über sechs Jahre (1968-1974) und kostet 300 000 französische Francs (47 500 Euros).

Die Ursprünge des Projekts


Ab 1957 kommt Marc Chagall regelmäßig nach Reims, wo er in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Jacques Simon eine Reihe von wichtigen Projekten in Frankreich und in der Welt (Kathedrale von Metz, Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, Kirche von Tudeley, Kapelle Rockefeller in Pocantino Hill, etc.) durchführt.


Im November 1968 entscheidet das Comité des bâtisseurs der Region Champagne-Ardenne, ein Verband, der eine Reihe von Unternehmen vereint, Baumaterialhändler, Bauträger und Architekten der Region, Marc Chagall den Auftrag zu geben, Glasfenster zu realisieren, die die im 19. Jahrhundert von Coffetier und Steinheil ausgeführten Kirchenfenster ersetzen sollen.


1971 trifft Jacques Duhamel, damaliger Minister für Kultur, die offizielle Entscheidung an welcher Stelle die Glasfenster in der Achskapelle eingesetzt werden sollen.

 

 

 

© Pascal Stritt, 2007 © Region Champagne-Ardenne, Jacques Philippot

 

 

Die Ikonographie von Marc Chagall

 

Chagall beginnt damit, sich in die Atmosphäre des Bauwerks und seine mittelalterlichen Glasfenster einzufühlen. Er bittet Charles Marq ihm die Farben der mittelalterlichen Kirchenfenster zu rekonstruieren. Dann beginnt er in einem ersten Arbeitsschritt Stoffstücke auf Vorbereitungsmodelle zu kleben, anschließend arbeitet er in Guaschfarbe auf immer größeren Modellen.


Die drei Kirchenfenster, die 10 m hoch sind und in sechs Lanzetten und drei kleine Fensterrosen unterteilt sind, haben eine Gesamtoberfläche von fast 75 m2.


Das mittlere Fenster schildert die Geschichte Abrahams und die letzten Momente im irdischen Leben Christi (Passion und Auferstehung), d.h. die Grundlagen des Alten und Neuen Testaments, das Opfer Abrahams, das das Opfer Christi ankündigt. Die Rosette stellt den Heiligen Geist dar.


Das linke Fenster beschreibt die Erwartung des AltenTestaments. Es stellt die Wurzel Jesse dar, von der der Stammbaum der Jungfrau Maria ausgeht, der die Kathedrale geweiht ist. Aus der Seite von Jesse wächst der Zweig heraus, der zur Entstehung von den Königen von Juda führt, von denen Chagall nur Saul, David und Salomon abbildet. Die Rosette stellt einige Propheten dar, die die Ankunft des Messias ankündigen.


Marc Chagall gelingt dabei die Vereinigung der Modernität der Zeichnungen und der Komposition und der Farbtöne der mittelalterlichen Glasfenster, deren alten Blautöne er übernimmt, um die Farbharmonien beizubehalten. Die Glasfenster werden am 14. Juni 1974 eingeweiht.