Die Krönungskathedrale
Ursprung und Geschichte der Krönung der französischen Könige

 

 

Die Taufe Chlodwigs durch Remigius stellt den Gründungsakt der königlichen Salbung in der Kathedrale von Reims dar. Es ist jedoch Pippin der Kurze, der sich 751 als Erster durch Papst Stephan II. in Soissons und dann nochmals 754 in Saint-Denis zum König salben lässt.

 

 

Reims, Krönungsstadt ab dem 11. Jahrhundert

 

Erst mit der Salbung von Ludwig dem Frommen im Jahr 816 und einem Diplom des Kaisers an Erzbischof Ebbo wird die Kathedrale von Reims ausdrücklich im Zusammenhang mit der Taufe Chlodwigs erwähnt.


Gleichwohl schließen sich die direkten karolingischen oder robertinischen Nachfolger Ludwigs des Frommen seiner Entscheidung nicht an, und die Kathedrale von Reims setzt sich erst im 11. Jahrhundert als Krönungsstätte durch.

Von da an werden - mit Ausnahme von Ludwig VI. (in Orléans) und Heinrich IV. (in Chartres) - diejenigen Könige von Frankreich, die sich zum König salben lassen (Ludwig XVIII. und Ludwig-Philipp taten dies nicht) in Reims durch den Reimser Erzbischof oder manchmal - wenn der Metropolitenstuhl unbesetzt ist - durch einen anderen geistlichen Würdenträger gesalbt.

 

 

 

Einzug von Ludwig XVI. in Reims

© Stadtbibliothek Reims

 

 

Der König ist tot. Es lebe der König!

 

Die Salbung ergibt sich aus dem Glauben, dass nach den Worten von Paulus jede staatliche Gewalt von Gott eingesetzt ist ("Non est enim potestas nisi a Deo, qua autem sunt, a Deo ordinata sunt", Röm. 13, 1).

Die Rechtsgelehrten und Theoretiker des Absolutismus, vor allem im Ancien Régime, sind manchmal unterschiedlicher Meinung, was das Wesen der Salbung angeht. Für manche macht sie keinen König: dieser wird im Augenblick des Todes seines Vorgängers zum König, gemäß der berühmten Formel des Kanzlers von Frankreich, "Der König ist tot. Es lebe der König!"

Für andere verleiht die Salbung dem Herrscher seine Legitimität, eine Legitimität, die durch den Willen der Jungfrau von Orléans bestätigt wird, ihren "lieben Dauphin" 1429 in Reims zum König krönen zu lassen, obwohl der in Bourges verschanzte Karl VII. (1422-1461) de facto schon seit sieben Jahren Herrscher von Frankreich ist.

 

 

Die Legende der Heiligen Ampulle

 

Wie bei den Königen des Alten Testaments stellt die Salbung die zwischen Gott und dem kapetingischen König geschlossene Verbindung dar; im Gegenzug für die göttliche Salbung verspricht der König gerecht zu herrschen, sein Volk zu beschützen und die Religion zu stärken.

Diese Verbindung nimmt im 11. Jahrhundert mit dem Erscheinen der Legende der Heiligen Ampulle Gestalt an.

Tatsächlich berichtet Hinkmar, Erzbsichof von Reims, in seiner Vita Remigii anlässlich der Salbung Karls des Kahlen in Metz von dem Wunder dieser kleinen Phiole, die Gott dem heiligen Remigius zur Salbung Chlodwigs geschickt hatte.

Sich auf mehrere Reimser Überlieferungen stützend, schmückt Hinkmar die Auffindung der Ampulle im Grab des heiligen Remigius aus: Diese Ampulle mit aromatischen Stoffen hätte dazu gedient, den Leichnam des Bischof einzubalsamieren. Sie wurde von Papst Innozenz II. im Jahr 1131 für echt erklärt und der Abtei bis zur Revolution zur Aufbewahrung übergeben. Die Heilige Ampulle garantiert nun definitiv das Vorrecht der Reimser Kirche, die Salbung der französischen Könige zu vollziehen.

 

Siegel der Abtei Saint-Remi von Reims (1219):
Saint Remi, die Heilige Ampulle und Chlodwig im Taufbecken

Abguss französisches Nationalarchiv, sc/St 2153.

© Christophe Jobard, 2003